Archiv für die Kategorie ‘DIGITAL’

Soziale Netzwerke und die Macht des Mobbings

Mittwoch, 28. April 2010

Soziale Netzwerke und Mitmach-Seiten wie Wikipedia haben das Internet verändert und können ein Segen für die Gesellschaft sein. Wikipedia zum Beispiel lebt von der Schwarmintelligenz: Das Wissen aller Menschen für alle. Doch was passiert, wenn sich die einzelnen Internetnutzer zusammentun um gemeinsam über einzelne Menschen herzuziehen anstatt gemeinsam etwas Gutes zu tun?

Es ist schon auffällig, dass die Netzgemeinschaft auf der einen Seite gerne sozial sein möchte, andererseits aber mit Mitteln des Webs 2.0 immer neue Hetzjagden veranstaltet. Kann sich noch jemand an den Schlag den Raab Kandidaten Hans-Martin, besser bekannt als #hassmartin, erinnern? Der Apotheken-Praktikant hatte sich bei der Samstagabend Show zwar 500.00 Euro, aber nicht die Herzen der Zuschauer erkämpft. In Kürze brachte er die Netzgemeinschaft derart gegen sich auf, dass man von einem Cybermobbing im großen Stil sprechen kann. Unzählige Gruppen auf Facebook und StudiVZ wurden gegründet mit Namen wie „Wir pissen alle auf Hans Martin“, „Die große Anti-Hans Gruppe“ oder „Ich könnte Hans-Martin pausenlos die Fresse polieren“.

Doch wo fängt Mobbing an? Ein anderes, wenn auch bei weitem weniger dramatisches Beispiel, ist die aktuelle „Blümchen schlägt DSDS“ Aktion. Über Seiten wie Facebook oder StudiVZ formieren sich immer mehr User, die zeitgleich zur Veröffentlichung des DSDS-Gewinnersongs den Titel „Boomerang“ der Sängerin Blümchen kaufen wollen. „Boomerang“ soll so durch die zahlreichen Downloads auf Platz 1 der Single-Charts verfrachtet werden – anstelle des neuen Bohlen-Songs. Bei dieser Aktion geht es nicht darum, seinen Geschmack entscheiden zu lassen, sondern den Gewinner einer Casting-Show für das persönliche Amüsement zu benutzen. Etwas nicht unterstützen zu wollen ist eine Sache, kein Mensch ist gezwungen, die Sendung DSDS zu schauen oder Platten der DSDS Gewinner zu kaufen. Wenn man aber jemanden systematisch fertig machen will, weil er nicht dem Mainstream oder noch schlimmer, dem persönlichem Geschmack entspricht, ist das dann nicht auch schon mobbing?

Ein anderes, aktuelles Beispiel ist die Facebook Gruppe „Free Kachelmann“. Hier haben Anhänger von Jörg Kachelmann eine Gruppe gegründet, um in erster Linie gegen die Klägerin zu „protestieren“. Die verbalen Angriffe auf das vermeintliche Opfer sind primitiv und oft auch Frauenfeindlich. Es wird zu gemeinschaftlichen E-Mails an den Arbeitgeber der Klägerin aufgerufen und in einer Art und Weise über die Frau gesprochen, die den Ruf der Frau schädigen.

So ist das in einem Schwarm. Ein kleiner Teil einer Gruppe gibt hier eine Richtung an und der Rest folgt. Das hat nichts mehr mit sachlicher Auseinandersetzung und Diskussion zu tun. Vielleicht würde es schon helfen, wenn der ein oder andere User sich mal wieder an die erste und grundlegende Empfehlung der User-Netiquette erinnern würde: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.“

Chatroulette – Big Brother für alle

Mittwoch, 24. März 2010

Herzlich Willkommen bei Chatroulette! Chatroulette verbindet videochatwütige Menschen willkürlich und per Zufall mit anderen Gleichgesinnten. Man weiß nie, mit wem man als nächstes vernetzt wird und der User muss sich weder irgendwo anmelden, noch irgendwelche sensiblen Daten eintragen. Der 17-Jährige Entwickler Andrey Ternovski aus Russland hat das Ganze programmiert, sein Video-Portal erreicht mittlerweile durchschnittliche 20.000 Menschen weltweit.

Chatroulette trifft den Nerv der Zeit: Immer mehr Menschen ärgern sich über sammelwütige Datenriesen wie Google und Facebook, ständig werden persönliche Informationen abgefragt. Die Nutzung von Chatroulette erfordert keine Anmeldung, keine Kontrolle und es gibt keine Nutzerprofile. Man wird einfach mit einem Gesprächspartner verbunden und man hat keine Macht darüber, mit wem. Gefällt mir mein Gesprächspartner nicht, dann klick ich einfach weg und widme mich dem nächsten Wildfremden.

Doch was bekommt der User auf Chatroulette zu sehen? Ein paar Beispiele nennt der Fotograf Lewis Chaplin in einem Interview mit Vice Germany: „ Eine dicke schwarze Lady mit gewaltigen Brüsten…einen Typen beim Wichsen…und einmal stieß ich auf Hitler. Das war ziemlich hart.“ Das komplette Interview findet Ihr hier.

Chatroulette ist der Blick ins Wohnzimmer, was man hier sieht ist oft deprimierend, selten witzig und manchmal sogar gewalttätig. Das reicht, um viele Nutzer süchtig zu machen.

Zwei witzige Zusammenfassungen über Chatroulette habe ich jedoch im Netz gefunden. Im ersten Video spielt ein User Klavier und improvisiert Lieder über seine aktuellen Chatroulettepartner. Sehr, sehr witzig!

Und hier eine Chatroulette-Doku, zusammengestellt von einem User:

chat roulette from Casey Neistat on Vimeo.

360° Panorama-Bilder aus Deutschlands Bahnhöfen

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wer möchte, kann sich auf der Internetseite der Firma Ströer DERG die Hauptbahnhöfe Berlin, Bremen, Dresden, Frankfurt/M., Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart jetzt virtuell anschauen. Die 360°-Technik ermöglicht es, aus vielen verschiedenen Perspektiven in alle Himmelsrichtungen zu schwenken und sich die möglichen Werbeflächen am PC anzuschauen. So erkennen die Nutzer die Situation vor Ort. “Der 360°-Panorama-Schwenk vermittelt dem Nutzer eine optimale Darstellung der Situation vor Ort. Jeder Blickwinkel ist möglich. Die Entscheidung für einen Werbeträger, eine Event- oder Promotionfläche in der Erlebniswelt Bahnhof wird für Werbungtreibende und Mediaplaner nun noch einfacher.“ erklärt Kai Thäsler, Geschäftsführer von Ströer DERG Media.

Hier geht es zum virtuellen Bahnhofsmedium.

Immer mehr Unternehmen veröffentlichen Social Media Guidelines

Montag, 31. August 2009

Die US-amerikanische Firma Intel, der viertgrößte Softwarehersteller SAP und die Bayer AG haben eins gemeinsam: Sie alle haben vor kurzem einen Social Media Guide für ihre Mitarbeiter formuliert und im Internet veröffentlicht.

Die Entwicklung im Sektor Social Media ist gerade für Unternehmen eine große Aufgabe: Mitarbeiter veröffentlichen über Dienste wie Facebook & Twitter private aber eben auch berufliche Informationen. Dadurch entsteht die Gefahr, dass interne Infos ungewollt an die breite Öffentlichkeit gelangen und unbedachte Äußerungen eines Mitarbeiters im Internet das ganze Unternehmen in eine Krise stürzen kann. So kann heute jeder Mitarbeiter zu einer Gefahr für das Unternehmen werden indem er über den Arbeitsplatz oder das Unternehmen postet.

Also hat Intel als einer der ersten Firmen beschlossen, dass Mitarbeiter Richtlinien brauchen um für die Social Media Dienste vorbereitet zu sein. Daniel Langwasser hat für den community-management Blog die wichtigsten Punkte des Intel Social Media Guides festgehalten:

  • Den Mitarbeitern ist es ausdrücklich erlaubt, sich aktiv am Austausch im Social Web zu beteiligen
  • Die Mitarbeiter erhalten hilfreiche Tipps, welche Inhalte auf welche Art kommuniziert werden können, wie mit Fehlern umgegangen werden sollte etc.
  • Ebenso werden die Mitarbeiter aber auch darüber aufgeklärt, dass letztendlich sie für die Inhalte verantwortlich sind und auch die entsprechenden Konsequenzen zu tragen haben
  • Ganz wichtig: Es werden auch Ansprechpartner genannt, wenn Fragen rund um das Thema Social Media bestehen

Intel ist für mich ein Paradebeispiel für einen guten Social Media Guide. Die ersten deutschen Unternehmen wie SAP oder Bayer AG machen es bereits nach. Ich bin mir sicher: Es werden noch viele Unternehmen in den folgenden Monaten ihren Social Media Guide veröffentlichen.