Soziale Netzwerke und Mitmach-Seiten wie Wikipedia haben das Internet verändert und können ein Segen für die Gesellschaft sein. Wikipedia zum Beispiel lebt von der Schwarmintelligenz: Das Wissen aller Menschen für alle. Doch was passiert, wenn sich die einzelnen Internetnutzer zusammentun um gemeinsam über einzelne Menschen herzuziehen anstatt gemeinsam etwas Gutes zu tun?
Es ist schon auffällig, dass die Netzgemeinschaft auf der einen Seite gerne sozial sein möchte, andererseits aber mit Mitteln des Webs 2.0 immer neue Hetzjagden veranstaltet. Kann sich noch jemand an den Schlag den Raab Kandidaten Hans-Martin, besser bekannt als #hassmartin, erinnern? Der Apotheken-Praktikant hatte sich bei der Samstagabend Show zwar 500.00 Euro, aber nicht die Herzen der Zuschauer erkämpft. In Kürze brachte er die Netzgemeinschaft derart gegen sich auf, dass man von einem Cybermobbing im großen Stil sprechen kann. Unzählige Gruppen auf Facebook und StudiVZ wurden gegründet mit Namen wie „Wir pissen alle auf Hans Martin“, „Die große Anti-Hans Gruppe“ oder „Ich könnte Hans-Martin pausenlos die Fresse polieren“.
Doch wo fängt Mobbing an? Ein anderes, wenn auch bei weitem weniger dramatisches Beispiel, ist die aktuelle „Blümchen schlägt DSDS“ Aktion. Über Seiten wie Facebook oder StudiVZ formieren sich immer mehr User, die zeitgleich zur Veröffentlichung des DSDS-Gewinnersongs den Titel „Boomerang“ der Sängerin Blümchen kaufen wollen. „Boomerang“ soll so durch die zahlreichen Downloads auf Platz 1 der Single-Charts verfrachtet werden – anstelle des neuen Bohlen-Songs. Bei dieser Aktion geht es nicht darum, seinen Geschmack entscheiden zu lassen, sondern den Gewinner einer Casting-Show für das persönliche Amüsement zu benutzen. Etwas nicht unterstützen zu wollen ist eine Sache, kein Mensch ist gezwungen, die Sendung DSDS zu schauen oder Platten der DSDS Gewinner zu kaufen. Wenn man aber jemanden systematisch fertig machen will, weil er nicht dem Mainstream oder noch schlimmer, dem persönlichem Geschmack entspricht, ist das dann nicht auch schon mobbing?
Ein anderes, aktuelles Beispiel ist die Facebook Gruppe „Free Kachelmann“. Hier haben Anhänger von Jörg Kachelmann eine Gruppe gegründet, um in erster Linie gegen die Klägerin zu „protestieren“. Die verbalen Angriffe auf das vermeintliche Opfer sind primitiv und oft auch Frauenfeindlich. Es wird zu gemeinschaftlichen E-Mails an den Arbeitgeber der Klägerin aufgerufen und in einer Art und Weise über die Frau gesprochen, die den Ruf der Frau schädigen.
So ist das in einem Schwarm. Ein kleiner Teil einer Gruppe gibt hier eine Richtung an und der Rest folgt. Das hat nichts mehr mit sachlicher Auseinandersetzung und Diskussion zu tun. Vielleicht würde es schon helfen, wenn der ein oder andere User sich mal wieder an die erste und grundlegende Empfehlung der User-Netiquette erinnern würde: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.“

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Christian Rutz, wunderknaben erwähnt. wunderknaben sagte: Soziale Netzwerke und die Macht des Mobbings: http://bit.ly/cqpm2S [...]
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