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Die Macht der Blogger

Donnerstag, 03. September 2009

Bis Montag war den meisten Menschen der Sportartikelhersteller Jako völlig unbekannt. Seit Dienstag wissen viele Menschen, dass sie von diesem Unternehmen in Zukunft wohl nichts kaufen werden.

In Deutschland befassen sich immer mehr Unternehmen damit, Strategien zu entwickeln, um die verschiedenen Kommunikationskanäle des Internets für sich zu Nutzen. Vodafone marschiert in die sozialen Netzwerke, die Bayer AG und SAP Deutschland veröffentlichen Social Media Guidelines. Was jedoch passiert, wenn ein Unternehmen gar kein Gespür für die neuen Medien besitzt, das zeigt der Fall Jako aus Baden Württemberg.

Der Blogger Frank Baade hat im April als „Trainer Baade“ einen Blogbeitrag verfasst, in dem er den neuen Markenauftritt und besonders das neue Logo des Sportausrüsters Jako kritisierte. Daraufhin gab es eine Abmahnung von Jakos Anwältin. Der Blogger löschte den Text aus dem Netz und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Den angeprangerten Blogbeitrag haben damals wohl ca. 500 Leute gelesen, mehr nicht. Hier könnte die Geschichte eigentlich enden. Doch nun kommt der Nachrichtenaggregator „Newstin“ aus Prag ins Spiel. Dieser sammelt automatisiert RSS-Feeds – unter anderem auch den Blogbeitrag von „Trainer Baade“ – und veröffentlichte diesen auf einem eigenen Portal. Als die Anwältin von Jako auf diesen Text im Internet stieß, fordert sie in einem Schreiben eine Vertragsstrafe in Höhe von 5100 Euro von Baade. Diesen Betrag, so erklärte Baade in einem Gespräch mit SpOn, kann er sich nicht leisten.

Das muss Baade jetzt auch gar nicht mehr. Denn seit dem vom Handelsblatt über SpOn sämtliche Netzzeitungen diesen Fall publik machten, entwickelt sich die Geschichte zum PR-Supergau für Jako. Allein der Gedanke, dass man jemanden für die Verbreitung seines Textes auf dritte Websites -ohne seines Wissen- verantwortlich machen will, ist absurd. Schließlich wurde der Text automatisiert ausgelesen und auf einer anderen Seite publiziert. Die Bloggemeinde tobt und hält zusammen. Mittlerweile verfolgen Tausende von Bloggern und Lesern den Fall „Baader gegen Jako“. Und Jako ist nicht der Sympathieträger in dieser Geschichte, um es mal freundlich auszudrücken.

Laut der Süddeutschen versucht Jako jetzt, sich mit Baader zu einigen. Hätte jemand von Jako doch einfach bei Baader angerufen und ihn freundlich um Löschung des Beitrages gebeten: Dann wäre wohl vieles angenehmer für Jako verlaufen. So ist die ganze Geschichte ein anschauliches Beispiel dafür, wie man von einer kleinen, sympathischen Firma zur „Bad Company“ werden kann.